Dies ist ein Bericht von Dirk Müller, Vater von Greta Müller:
Ein Hinweis vorweg: Folgender Text ist kein schachlich perfekter Bericht zur Deutschen Jugendeinzelmeisterschaft, sondern ein Text über das Highlight im Kinder- und Jugendschachs aus Sicht eines begleitenden Vaters. Wer detaillierte Analysen und Bewertungen erwartet, möge jetzt getrost das Lesen beenden. Wer aber an Abläufen, Schwierigkeiten und der Stimmung vor Ort interessiert ist oder selbst die Möglichkeit einer Teilnahme anstrebt, der findet hier vielleicht nützliche Anregungen.
Die erste Hürde zur Teilnahme an der DEM ist die Qualifikation über die Landesmeisterschaft. Wenn der denksportbegeisterte Sprössling den Landesmeister- oder Vizelandesmeistertitel errungen hat, weiß man als Eltern um die Mühen und Kosten. Mindestens zweimal die Woche Hin und Rückfahrt zum Vereinstraining, Teilnahme an Kreismeisterschaften, Bezirksmeisterschaften, Landesmeisterschaften am Südharzcup, am Supercup, an Mannschaftswettkämpfen in Jugend – und Erwachsenenligen usw. usf. Mehrtägige Übernachtungen, Turnierkosten und Verpflegung wollen finanziert sein. Fahrten kreuz und quer durch Deutschland werden organisiert und meist mit privaten Fahrzeugen realisiert. … und hatte unser lieber Trainer und Vereinsvorsitzender ganz zu Beginn des Schachabenteuers nicht höchst eloquent erklärt, wie günstig und ressourcenschonend doch das königliche Spiel im Vergleich zu anderen Hobbys sei?! Mann bräuchte nur ein Schachbrett und 32 Figuren. Aha.
Unsere Greta nimmt mittlerweile das dritte Jahr in Folge, an der DEM teil und wir sind etwas schlauer. Nun für dieses Jahr übernimmt der Verein einen kleinen Teil der Turnierkosten. Darüber sind wir sehr dankbar, wohl wissend um die nicht gerade pralle Vereinsschatulle. Da wir unsere gerade erst elf Jahre alt gewordene Tochter nicht allein zu einem über neun Tage dauernden, anspruchsvollen Turnier reisen lassen wollten, nahm ich als Begleiter und Fahrdienstleistender teil … und beglich die nächste Rechnung für Turnierkosten im unteren vierstelligen Bereich. Also Hinweis eins wäre - sparen. Hinweis zwei klingt vielleicht etwas komplizierter als es ist. Sucht Unterstützer für eure Teilnahme an kostenintensiven Turnieren. An dieser Stelle möchte ich mich im Namen aller Mitfahrenden bei unseren Stadtwerken aus Hettstedt bedanken. Ohne große Bürokratie wurde uns ein elektrisch betriebener VW-Bus zur Nutzung überlassen, inklusive Karte zum Stromtanken. Vielen Dank für die großartige Unterstützung! Dadurch konnten vier Jugendliche Teilnehmer (aus drei Schachvereinen Sachen Anhalts), zwei Betreuer und ein Trainer sicher und kostenfrei die Hin- und Rückreise nach Willingen antreten.
Kleiner Tipp zusätzlich: falls ihr mit einem elektrisch betriebenen Fahrzeug zur DEM nach Willingen anreist, bekommt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sofort einen Parkplatz an den Ladesäulen vor dem Sauerland-Hotel.
Wer noch nie an einer Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft teilgenommen hat, sollte den nächsten Hinweis ernst nehmen: Gebt alles aber erwartet wenig! Viele erfolgsverwöhnte Spieler und Eltern müssen sich in Willingen bewusst werden, dass schon die Teilnahme an diesem Turnier eine Belohnung ist. Auch bei starken persönlichen Leistungen im einzelnen Bundesland trifft man in Willingen dann auf eine Auswahl der stärksten Spieler. Greta war gerade in die nächsthöhere Altersklasse (U12) gerutscht und traf gleich im ersten Spiel mit schwarz auf eine starke Isabella Artemenko. Greta verlor leider ihre Partie gegen die spätere Viertplazierte. In den folgenden Partien wechselten sich Gewinn und Verlust ab. Die sechste, siebte und neunte Runde endeten jeweils Remis. Das Endergebnis mit 3,5 Punkten und Platz 37 von 46 für Greta entsprach nicht den Hoffnungen, war aber motivierend für die Zukunft. Grundsätzlich stellte sich für mich diese DEM weniger als deutsche, sondern eher als internationale Meisterschaft dar. Wenn z.B. in Gretas Altersklasse die spätere Deutsche Meisterin extra für dieses Turnier aus China anreiste und im Interview ihren Verein nicht sofort benennen konnte, dann darf das jeder für sich selbst bewerten.
Das Turnier selbst war perfekt organisiert. Die offizielle Eröffnungsfeier am Anreisetag im großen Konferenzsaal war - mit Fahneneinlauf, Sound – und Lichteffekten - schon sehr beeindruckend. Das Sauerland-Stern-Hotel bietet mit seinem per unterirdischem Gang erreichbaren Spielsaal, den vielfältigen Sportmöglichkeiten und der guten Versorgung hervorragende Spielbedingungen. Gerade an Tagen mit nur einer Partie ist etwas Bewegung als Ausgleich wichtig.
Besonderen Dank möchte ich hier unserem Aaron aussprechen, der nicht nur mit Greta analysierte, sondern auch viele andere Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt auf ihre harten Partien vorbereitete und während der spielfreien Zeit betreute. So besuchte er mit ihnen die Sommerrodelbahn, das Lagunenbad, die Eissporthalle, den Wildpark und fast täglich die Sporthalle. Vielen herzlichen Dank an dich lieber Aaron! Für das Daumendrücken und Mitfiebern an den Livebrettern, die zahlreichen Brettnachrichten und Zeitungsgrüße von Freunden, Trainern und Unterstützern möchten wir danken. Ebenso vielen Dank auch an unseren Delegationsleiter Ivo Rössling aus Magdeburg und die gesamte Delegation unseres Landesverbandes sowie herzliche Glückwünsche an unsere Landestrainer und unseren Silbermedalliengewinner in der AK U14 Igor Shevchenko!
Im letzten Satz möchte ich unseren Trainern Dirk Michael und Enrico Kalliwoda danken, die mit ihrem unermüdlichen und ehrenamtlichen Engagement junge Talente entdecken und nicht nur zu sehr guten Schachspielern werden lassen, sondern auch zu starken Persönlichkeiten … Danke!