Landesliga U12 in Gräfenhainichen - Autofahren statt Schachpielen

Gespeichert von c4 am Mi., 17.06.2026 - 06:38

Der dritte und letzte Spieltag der Landesliga führte das U12-Quartett der Schachfreunde Hettstedt einmal quer durch unser Bundesland - ins beschauliche Gräfenhainichen. Wer sich auf eine Landesliga einlässt, der darf auch vor längeren Strecken nicht zurück schrecken. Wenn jedoch einer Fahrzeit von fast 4 Stunden nur eine tatsächliche Spielzeit von 20 Minuten gegenüber steht, dann ergeben sich gewisse Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Teilnahme. 

Nachdem durch zwei Umleitungen auf der Hinfahrt die geplante Fahrzeit von 90 Min. (am Sonntag Morgen) deutlich überschritten wurde, trafen die Hettstedter im großzügigen Spielsaal auf leere Bretter und siegten kampflos 4 : 0. Da ansonsten fleißig gekämpft wurde, mussten die jungen Reisegefährten die Zeit bis nach 13.00 Uhr totschlagen, als endlich die zweite Runde begann. Durch das geschenkte 4 : 0 war das Punktekonto nun verdienstfrei aufgebläht, wodurch die Hettstedter gegen den Spitzenreiter gelost wurden. Die starke Mannschaft der Saalespringer Halle stand zu diesem Zeitpunkt schon als Sieger fest, kämpfte aber verbissen um die Ehre und die DWZ-Punkte. Doch nach ca. 20 Minuten gelang Heinrich Gorgas ein überraschendes Schachmatt. Die anderen drei Partien gingen nach gutem Kampf verloren. 
Die Schachfreunde Hettstedt spielten konstant in der Besetzung 1. Greta Müller, 2. Darius Rümpler, 3. Ricki Kühne, 4. Heinrich Gorgas und belegten einen unglücklichen 5. Platz. Gegen Vizelandesmeister Schachzwerge Magdeburg wurde in der Serie ein beachtliches 2 : 2 erzielt, aber eine hohe und überraschende Niederlage gegen den am Ende drittplatzierten Roten Turm Halle verhinderte ein besseres Ergebnis. Und schließlich schob sich auch noch Merseburg etwas glücklich vor die Hettstedter. Beide Teams hatten (fast) die gleichen Gegner zugelost bekommen - nur an einer Stelle war ein Unterschied: Hettstedt musste gegen den Landesmeister einen steinigen Weg beschreiten (und verlor), während das Los für Merseburg eine fruchtbare Weide im hinteren Feld vorsah.

Der VfL Gräfenhainichen mit seinem guten Geist Uwe Kurth war ein vorzüglicher Gastgeber, der den Kindern tadellose Spielbedingungen und ein sehr angenehmes Umfeld - auch im Außenbereich - bot. Dazu kamen leckere Kuchen der Schachmuttis, die zu einem kinderfreundliche Preis angeboten wurden.

Damit war dieser Spieltag durchaus exemplarisch für die gesamte Serie. Überall sehr engagierte Gastgeber, aber ob die rein  schachliche Essenz den immensen Aufwand wirklich rechtfertigt, darf leise hinterfragt werden. Für jene Mannschaften, die sich für die Norddeutschen Meisterschaften qualifizieren konnten, mag die Bilanz stimmen. Die Tendenz scheint zu sein, dass ohnehin fast nur noch jene mit Quali-Absicht teilnehmen. Diese Entwicklung nahm vor Jahren auch die Landesliga U20, für die sich irgendwann nur noch 2 bis 4 Teams erwärmen konnten. Aber als im Frühjahr 2026 erstmals eine gut organisierte Austragung als Wochenend-Turnier angeboten wurde, war plötzlich wieder ein kompletter Querschnitt des Landes vertreten und die Teilnehmerzahl hat sich schlagartig vervierfacht. (aktuell LL U20 : 8 Mannschaften/ LL U12 : 10 Mannschaften) Und dies, obwohl die Preise für Übernachtungen absurd gestiegen sind. Doch wenn gute Veranstaltungen geboten werden, scheint es nicht am Preis zu scheitern. Lieber lange Schachspielen mit den Kindern - oder die Kinder fleißig mit dem Auto durch die Gegend fahren ?
(Es sei aber noch erwähnt, dass der neue Modus in der LL U12 durchaus eine deutliche Verbesserung zu früher darstellt.)