Ein Bericht von Jens Reckner
Wer am Samstag, 30. Mai 2026, den Weg zum 63. Krostitzer Kurz-Schachturnier fand, atmete im Gustav-Adolf-Saal der traditionsreichen Brauerei nicht nur den historischen, sondern auch Hopfengeist. Da passt eine alte Nürnberger Regionallegende bestens ins Bild, die den schwedischen Namenspatron des Saales, König Gustav II. Adolf, im Dreißigjährigen Krieg mit unserem Spiel verbindet. Beim Einzug seiner Truppen soll er am dortigen Bergauerplatz vor dem Gasthof „Zur goldenen Ente“ einen Veteranen wiedererkannt haben. Dieser diente einst in seinen Feldzügen. Der Monarch kehrte mit ihm ein und spielte gegen den Wirt eine Partie Schach. Die Figuren – so will es der Volksmund – bestanden aus gegossenen „Schwedenkugeln“. Der Trinkkrug des Königs ging in die Stadtgeschichte ein und gab dem Gasthof einen neuen Namen - „Schwedenkrug“. Ob die Partie wirklich stattfand, bleibt ungewiss. Aber die Vorstellung von schachlicher Durchschlagskraft hat im kollektiven Gedächtnis bis in unsere Zeit überdauert.
Im unerbittlichen Rundensystem ging es für die 13 angetretenen Mannschaften, manche mit fröhlichem Namen, hart zur Sache. Gespielt wurde nach den gewohnten Krostitzer Sonderregeln: 10 Minuten Blitzschach, und der König darf regulär geschlagen werden! Zur Ermittlung der Turniersiegermannschaft zählen die Brettpunkte vor den Mannschaftspunkten. Jeder einzelne erspielte Zähler entschied hier also direkt über Wohl und Wehe in der Abschlusstabelle.
„Hettstedt 0,5“ verbuchte beim Kampf ums Treppchen einen Dämpfer
Gegen die viertplatzierten „Hühnchenrupfer“ gab es eine 1:3-Niederlage, was das Mannschaftspunktekonto auf ein ausgeglichenes 25,5:22,5 nivelliert. Rang 6 in der Endtabelle wurde genügsam zu Kenntnis genommen. Die individuellen Bilanzen nach der 13. Runde zeigen sehr solide Ansätze:
Jannes Winter (Brett 1): Erspielte gegen die erwartbar starke Konkurrenz am Spitzenbrett 5 Punkte aus 12 Partien.
Paul Dilger (Brett 2): Kratzt mit 5,5 aus 12 knapp an der Fünfzig-Prozent-Marke.
Ben Zander (Brett 3): Hatte einen Sahnetag und verbuchte 7 aus 12.
Taylor Lehmann (Brett 4): Steuerte mit 7,5 Punkten aus 12 Partien ein erfreuliches Ergebnis bei.
„Hettstedt 1,0“ trotzt der „40.POS“ ein Remis ab
Unsere bierkulturell erfahrene Mannschaft verbuchte gegen die zweitbeste Turniermannschaft „40.POS“ ein respektables 2:2-Unentschieden. Für das Brettpunktekonto (17,5 Brettpunkte, Rang 12) war das ein wichtiger Teilerfolg im Tabellenkeller, wobei die Einzelergebnisse durchaus Facetten boten:
Martin Wechselberger (Brett 1): Hatte am Spitzenbrett einen schweren Stand. Er passte sich den Gegebenheiten des Spielortes an, nutzte die Runden pragmatisch für jeweils einen Schwedenkrug und den Zugewinn an schachlicher Erfahrung.
Falk Matiebe (Brett 2): Beendet die Turnierphase, bei ähnlicher Beeinträchtigung, mit soliden 5,5 aus 12.
Henning Gröbel (Brett 3): Erkämpfte in sehr spannenden Stellungen 3,5 Punkten aus 12 Partien.
Jens Reckner (Brett 4): Einer von drei Schachenthusiasten, welche das König-Schlagen an diesem Tag praktizieren durften. Der Recke bildete eine Art Lebensversicherung des Teams und schloss mit überdurchschnittlichen 8,5 Punkten aus 12 Partien ab.
Die Vertretung der SG Leipzig zog an der Tabellenspitze einsam ihre Kreise (35:13), gefolgt mit wahrnehmbarem Abstand von der „40. POS“ (32:16). Vielen Dank an die Schachfreunde um Roger Bischoff für das Ausrichten dieses schönen Schachtages.